Author: noablog1

  • Einordnung vom Antifaschistischen Bildungszentrum und Archiv Göttingen e. V. (ABAG)

    Der folgende Redebeitrag wurde auf der Solidemonstration am 27.06.2026 vorgetragen:

    Mit den Worten: „Es deutet einiges auf eine Notwehrsituation hin.“ lässt sich der ermittelnde Staatsanwalt Frank-Michael Laue im Göttinger Tageblatt zitieren. Damit ist klar, wer in den Augen der Staatsanwaltschaft eigentlich Schuld an dem versuchten Mord ist: der lebensbedrohlich verletzte Antifaschist selbst. Es wird eine Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten betrieben. 

    Dass Antifaschist:innen die wahren Schuldigen des rechten Terrors wären, ist wahrlich keine Erfindung des Göttinger Staatsanwalts. Die Bagatellisierung faschistischer Gewalt hat in den Göttinger Ermittlungsbehörden eine lange Tradition. Bereits der ehemalige Chef der Göttinger Polizei, Knoke, machte Antifaschist:innen im Winter 1989 als Ursache für die damals grassierende Skinheadgewalt aus: Im GT sagte er, Autonome würden die rechten suchen und verprügeln, Neonazis gäbe es hingegen kaum. Das Problem werde lediglich herbeigeredet. Ein Jahr später zogen zwei Faschisten mit den Worten: „Wir gehen jetzt Linke aufmischen“ los und erstachen Alexander Selchow in Rosdorf. Dieser Mord stellte einen Höhepunkt faschistischer Gewalt Anfang der 1990er Jahre in Göttingen dar und fiel – im Gegensatz zur Behauptung des Göttinger Oberpolizisten – nicht vom Himmel. Ab 1987 haben Antifaschist*innen dutzende rechte Gewalttaten dokumentiert, darunter Brandanschläge auf migrantische Jugendclubs, Schüsse mit Schreckschusspistolen auf linke Orte, wie das Juzi oder eben körperliche Angriffe. Diese Angriffe waren immer durch eine besondere Brutalität geprägt. Fast immer haben die Faschist*innen Waffen dabei, fast immer setzen sie sie ein.

    Die Folge: Migrantisierte Menschen, Queers und Antifaschist*innen werden verletzt, erleiden Knochenbrüche und müssen im Krankenhaus – zum Teil intensivmedizinisch – behandelt werden. 

    4 Jahrzehnte später sieht es nicht anders aus:

    Die Tat vom vergangenen Samstag fiel ebenfalls nicht vom Himmel. Der Täter und seine Nazifreunde eskalierten in den letzten Wochen immer deutlicher, indem sie zum Beispiel eine Regenbogenfahne übermalten und vermeintliche Linke angriffen. Ziel dieser Angriffe ist es, rechte No-Go-Areas in Göttingen zu etablieren.

    Doch welche staatlichen Konsequenzen folgen auf solche Angriffe?

    Die Mörder von Alex wurden 1991 lediglich „wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge“ verurteilt.

    Bis heute hat die BRD Alex nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt. In dieser Tradition bewegt sich ebenfalls der Göttinger Staatsanwalt: Mit Verweis auf eine vermeintliche Notwehrsituation werden Faschist:innen entlastet, während Antifaschist*innen zu den eigentlichen Schuldigen gemacht werden.

    Vor 37 Jahren wurde die Antifaschistin Conny von der Polizei in den Tod gejagt, weil sie der rechten Gewalt in Göttingen nicht tatenlos zusehen wollte. Heute werden Antifas durch den Staat mit Terrorismusverfahren überzogen. 

    Dieses Klima, in dem Antifas, also jene, die sich für ein menschenwürdiges Leben einsetzen, dämonisiert werden, ist der Nährboden für die eskalierende faschistische Gewalt.

    Die Hetze gegen Linke erfolgt dabei in einem Ping-Pong-Spiel zwischen Neonazis auf der Straße, polizeilichem Verfolgungswahn, rechten Medien und Konservativen. Sicherlich sind diese Gruppen nicht identisch und verfolgen unterschiedliche Ziele, doch sie verfügen über gemeinsame Feindbilder. Die Tat vor einer Woche darf nicht als isoliertes Göttinger-Problem betrachtet werden. Sie ist Konsequenz eines gesellschaftlichen Klimas, in dem „Links vorbei“ sein soll, Geflüchtete in Abschiebelager gesperrt werden  und die AfD kurz davor steht, staatliche Machtmittel in die Hand zu bekommen.

    Damals wie heute ist klar:

    Der Staat wird in Zukunft weder Antifaschist*innen, noch Demokrat*innen,vor der faschistischen Gefahr schützen. Es bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass wir dies selbst tun müssen. 

    Ein Genosse wurde getroffen. Er war weder der Erste, noch wird er der Letzte gewesen sein. Deswegen muss es für uns alle heißen: Wir werden weiter für das Leben kämpfen. Das heißt Kampf den Faschist*innen bis alle in Frieden, Freiheit und Solidarität leben können!

  • Fotos von der Solidemo am Samstag, 27.06.2026 von PM Cheung

    PM Cheung hat bei flickr Bilder der großen Solidemonstration veröffentlicht : https://flic.kr/s/aHBqjCXH6U

  • Fotos von antifaschistischen Mahnwache von Nico Kuhn

    Nico Kuhn hat bei flickr Bilder von der antifaschistischen Mahnwache am 25.6. veröffentlicht:

    2026-06-25 Göttingen – antifaschistische Mahnwache

  • Redebeitrag aus dem Juzi bei der Demo am 27.6.2026

    Liebe Leute,
    vermutlich habt ihr die folgenden Zeilen heute schon ein paar Mal gehört, manches kann nicht oft genug gesagt werden: Beste Wünsche zur schnellen Genesung gehen an den verletzten Antifaschisten. Nimm dir alle Zeit, die du brauchst, aber wir freuen uns sehr, dich bald wiederzusehen!

    Dieser Angriff auf ihn ist ein umfassender Angriff auf sein Leben als solches, in allen Kontexten, in denen er sich bewegt, mit all den Menschen, die dadrin vorkommen: Familie, Freund:innen, Angehörige, Comrades, Genoss:innen, und viele mehr. Wir können nur erahnen was ihr die letzte Woche aushalten und durchmachen musstet. Wir stehen an eurer Seite.

    Probs gehen auch raus an die beste Anwaltskanzlei von Welt für eure juristische und emotionale Unterstützung in der letzten Woche.

    Und natürlich freuen wir uns heute hier zusammen mit euch allen unsere Solidarität mit dem verletzten Antifa auf die Straße tragen zu können. Es fühlt sich gut an, hier so viele Menschen zu sehen.

    Wir alle hier werden in den Medien gerne als „linke Szene“ bezeichnet und mitunter benutzen wir den Begriff auch selbst. Wir wissen aber auch, dass wir uns wohl nach hunderten Plena nicht einig wären, was damit eigentlich gemeint ist. Nicht selten stehen die Unterschiede vor den Gemeinsamkeiten.

    Wir leben aber auch in einer Zeit, in der leider mal wieder sehr deutlich wird, dass Faschismus und erst recht autoritäre Denkweisen nicht einfach verschwinden werden. Ganz im Gegenteil: Antifaschismus, der Kampf gegen Faschismus, ist eine dauerhafte und kontinuierliche Aufgabe. Und genau hier ist unsere Unterschiedlichkeit eine Stärke. Lasst uns den unterschiedlichen Spielarten des Faschismus mit einem intersektionalen Kampf gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Ausgrenzung begegnen. Lasst uns faschistischen Strukturen auf allen Ebenen und mit ganz unterschiedlichen Mitteln entgegenstellen. Ein stabiler Antifaschismus auf der Straße, Infoveranstaltungen und Recherche sowie politische Konzerte verfolgen das gleiche Ziel.

    Und lasst uns, das ist vielleicht sogar das Wichtigste, lasst uns gemeinsam weiter emanzipatorische Strukturen aufbauen, die jenseits von Staat und anderen Autoritäten funktionieren. Solidarische und hierarchiekritische Strukturen in denen wir gemeinsam für eine andere Welt einstehen können. Strukturen, deren Grundlage so weit vom Faschismus entfernt ist, dass wir ihn an der Wurzel packen und jegliche Basis nehmen.

    In diesem Sinne: Zusammen ist besser als alleine.
    Antifa in die Offensive.

    Gefunden unter https://juzi.de/2026/06/redebeitrag-aus-dem-juzi-bei-der-demo-am-27-6-2026/

  • Durchsage auf der Demo am 27.06. in GÖ

    Es ist schön zu sehen, dass so viele auf die Demo gekommen sind, um sich mit dem verletzten Genossen zu solidarisieren, denn getroffen wurde er, doch gemeint sind wir alle!

    In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni wurde im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen unser Freund und Genosse mit mehreren Stichen in den Brustbereich von einem Jungfascho niedergestochen. Dass er diesen Angriff überlebt hat, ist ohne Übertreibung ein Wunder.

    Dieser Angriff reiht sich ein in eine Serie rechter Provokationen in Göttingen, die wir auch bundesweit beobachten können. Dabei sehen wir dass sich besonders jugendliche zunehmend radikalisieren.
    In Göttingen zeigt sich diese Entwicklung durch rechte Schmierereien zu Beginn des Pridemonth, Pöbelein sowie gezielte körperliche Auseinadersetzungen mit Linken, zuletzt der Angriff auf unseren Freund.

    Wir wissen, rechte Gewalt zielt in letzter Konsequenz auf den Tod, das ist Teil ihrer Ideologie. Zudem ist es bekannt, dass es die Strategie der Neonazis ist, Messer mit sich zu tragen, um sie bei Gelegenheit auch einzusetzen. Und wenn das bekannt ist, wie soll das Geschehene noch Notwehr sein? Wie die Anwälte des Genossen erst kürzlich bekannt gaben, waren die Antifaschist*innen unbewaffnet! Es gab kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung und in jedem Fall keinen Anlass ein Messer zu ziehen und einen Menschen in die Brust zu stechen.

    Presse, Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft greifen hier bereitwillig die Erzählung der Rechten auf, die sich bewusst als Opfer stilisieren, während die Gewalt von ihnen ausgeht!

    Wenn die Bürgermeisterin Broistedt, wie sie heute in der HNA sagte, Schiss vor einer wütenden Demo hat, dann zeichnet sie ein Bild in dem die Gewalt von links ausgeht. Sie bezieht sich dabei darauf, dass Göttingen eine friedfertige und weltoffene Stadt sei. Wie kann man von einer friedvollen und weltoffenen Stadt sprechen, wenn vor gerade einmal einer Woche unser Freund niedergestpchen wurde? Unsere Demonstration setzt sich genau gegen diese rechte Gewalt ein und steht für Solidarität. Indem die Bürgermeisterin unsere Demo im Vorfeld unter Generalverdacht stellt, trägt sie massiv dazu bei die antifaschistische Bewegung zu kriminalisieren.

    In die Schikane antifaschistischer Aktivistinnen reiht sich auch die Ermittlungspraxis der Behörden ein! Denn wir wie kürzlich erfahren haben, erschienen am Donnerstag vier Polizeibeamte unangekündigt im Krankenhaus im Zimmer des Verletzten und forderten diesen zur DNA Entnahme und zur Vernehmung auf. Der Verletzte war zu diesem Zeitpunkt weder gesundheitlich zu so etwas in der Lage, noch passierte dies in Absprache mit den Anwälten. Dieser Vorgang ist zu verurteilen!

    Uns ist daher ist klar, im Kampf gegen rechte Gewalt sind der Staat, die Justiz und die bürgerliche Presse nicht unsere Verbündeten!

    Starke Solidarität durch breite Bündnisse über Meinungsverschiedenheiten und Aktionsformen hinweg war immer eine Stärke im Kampf gegen die Nazis in dieser Stadt. So wurden sie schon einmal aus Göttingen vertrieben und es ist an uns diese Zeiten gemeinsam durchzustehen und dafür zu sorgen, dass Göttingen ein sicherer Ort für alle bleibt, die von rechter Gewalt bedroht sind.

    Antifaschistische Praxis bleibt notwendig. Daher stehen wir geschlossen gegen rechte Gewalt und sind in Gedanken bei unserem Genossen und seinem Umfeld. Lasst uns gemeinsam auf diese schreckliche Tat antworten, indem wir unserer Trauer und Wut einen Ausdruck verleihen und lasst uns eine kraftvolle und energetische Demo haben.

  • Soli-Grüße aus Oldenburg

    Solidarische antifaschistische Grüße von Oldenburg nach Göttingen! Wir wünschen viel Kraft und alles Gute!

    Instagram @antifainfool

  • Sponti in Mainz – Liebe und Kraft nach Göttingen

    Am 22.06.26 nahmen wir und kämpferisch die Straßen, wir senden unserem Genossen in Göttingen und seinen Angehörigen viel Liebe und Kraft! Du bist nicht allein!

    Am 22.06.26 nahmen wir uns kämpferisch und entschlossen die Straße und zogen mit einer feurig leuchtenden Sponti durch Mainz.

    Gewalt von Rechts spitzt sich im immer weiter im vorranschreitenden Rechtsruck zu. Die Entwicklungen sind besorgniserregend..

    Vergangenes Wochenende wurde ein Genosse von dem feigen Nazischwein Max Dillmann niedergestochen.

    Unser Genosse wurde dardurch lebensbedrohlich verletzt und befindet sich zurzeit in einem künstlichen Koma.

    Es ist schon lange die Zeit gekommen, dass wir antifaschistischen Selbstschutz organisieren und umso mehr im Alltag, auch außerhalb von Aktionen aufeinander aufpassen.

    Kommt daher alle morgen (Samstag) am 27.06.26 zur Abenddemo um 20 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Göttingen!

    Niemals allein!

    Let’s be careful with eachother so we can be dangerous together <3

    Alerta!

    Das Video zu unserer Sponti findet ihr unter folgendem Link: https://sendvid.com/djzudpla

    Annonym.

    Gefunden unter https://de.indymedia.org/node/748625

  • Demokonsens: Niemals alleine – Antifa in die Offensive!

    Am Samstag, den 27.06.2026, gehen wir auf die Straße, weil ein Antifaschist von einem Fascho niedergestochen worden ist. Wir sind tief erschüttert und wütend und möchten unser Entsetzen und unsere Solidarität mit dem schwerst verletzten Genossen auf der Demo zum Ausdruck bringen. Dieser Angriff auf einen von uns ist der aktuelle Höhepunkt einer sich verschärfenden autoritären Wende und Faschisierung in unserer Stadt und darüber hinaus. Angriffe auf Frauen, Lesben, Inter-, Nichtbinäre, Trans-, und Agender-Personen, auf Queers, auf Geflüchtete, auf Menschen mit Migrationserfahrung, auf Menschen, die als solche gelesen werden und auf Linke nehmen zu. Wir verstehen die jüngste Gewalt als Ausdruck dessen und stellen uns dem laut und gemeinsam entgegen. Unsere Solidarität macht somit nicht an den Göttinger Stadtgrenzen halt, sondern gilt allen Antifaschist*innen und von rechter Gewalt Betroffenen.

    In Anbetracht der ernsten Lage in der sich unser Genosse befindet wollen wir als zentrale Botschaft unsere Solidarität mit dem Antifaschisten und allen von rechter Gewalt Betroffenen und unsere Wut auf diese Verhältnisse, in denen wir immer mit so etwas rechnen müssen, ausdrücken. Wir möchten eigenständige oder andere Inhalte deshalb explizit nicht auf unserer Demo sehen. Die Demo soll nicht für eigene (parteipolitische) Zwecke instrumentalisiert oder vereinnahmt werden und sie ist auch nicht der Raum um innerlinke Konflikte auszutragen.

    Wir halten uns im Sinne des Betroffenen und seines Umfeldes, an den Konsens, dass auf der Demo keine National-, Gebiets-, Partei-, Organisationsflaggen und -symbole zu sehen sind. Cops, Bundis und Burschis sind genauso unerwünscht. Antifa-Fahnen sind ausdrücklich gewollt. Wie auf allen linken Veranstaltungen in Göttingen hat das Institut für Demokratieforschung hier nichts zu suchen.

    Die Demo soll ein sicherer, inklusiver und ermächtigender Raum sein. Wir dulden kein übergriffiges oder grenzüberschreitendes Verhalten – die Definitionsmacht liegt dabei bei den betroffenen Personen. Wir schauen, wo und wie wir uns am Wohlsten fühlen und achten gemeinsam aufeinander, gehen respektvoll miteinander um und schaffen einen Raum, in dem wir gemeinsam unser Entsetzen und unsere Wut austragen können. Wenn es wem nicht gut geht, wenden wir uns an unsere Genoss:innen, nicht an die Polizei.
    Alkohol oder andere Drogen haben auf der Demo keinen Platz. 

    Alle Teilnehmenden sind für diesen Demo-Konsens verantwortlich und aufgerufen ihn durchzusetzen.

    NIEMALS ALLEINE. ANTIFA IN DIE OFFENSIVE.

    In Kurz:

    Warum wir demonstrieren:
    – Ein Antifaschist wurde von einem Fascho niedergestochen. Wir sind erschüttert und wütend.
    – Angriffe von Rechts nehmen auch über die Göttinger Stadtgrenzen hinaus zu.
    – Wir stellen uns dem laut und gemeinsam entgegen.
    – Unsere Solidarität gilt unserem Genossen, allen Antifaschist*innen und von rechter Gewalt Betroffenen.

    – Bringt Antifa-Fahnen mit.
    – keine Instrumentalisierung für eigene Inhalte und Zwecke.
    – kein Ort um innerlinke Konflikte auszutragen.
    – National-, Gebiets-, Partei-, Organisationsflaggen und deren Symbole zuhause lassen.
    – Wir demonstrieren zusammen; wir wollen keine innerlinken Konflikte austragen.
    – Cops, Bundis, Burschis und das Institut für Demokratieforschung haben auf der Demo nichts zu suchen.

    – Die Demo soll ein sicherer, inklusiver und ermächtigender Raum sein.
    – Wir dulden kein übergriffiges oder grenzüberschreitendes Verhalten.
    – Passt aufeinander auf. Schaut wo ihr euch wohl fühlt. Holt euch Hilfe von euren Genoss*innen.
    – Sprecht nicht mit der Polizei.
    – Alkohol oder andere Drogen haben auf der Demo keinen Platz.

    – Alle sind für diesen Konsens verantwortlich und aufgerufen, ihn durchzusetzen.

    NIEMALS ALLEINE. ANTIFA IN DIE OFFENSIVE.

    Gefunden unter https://de.indymedia.org/node/748464

  • Versuchen zu verstehen was geschah und geschieht: Mörderische Ideologie ernst nehmen, verstehen und bekämpfen. Alle Ebenen, alle Mittel.

    von Redical [M]

    Wir sind immer noch schockiert über den Mordversuch an einem Antifaschisten am vergangenen Wochenende. Noch immer bangen wir um seinen Gesundheitszustand. Und wir fragen uns, was diese neue Eskalationin Göttingen für uns bedeutet. Fest steht: Wir müssen extrem rechte Gewalt, die Ideologie und die mörderische Absicht dahinter ernst nehmen und dafür sorgen, dass sie nicht wieder geschieht. Antifaschismus muss auf allen Ebenen praktisch und offensiv werden. Und er muss die gesellschaftlichen Grundlagen faschistischer Ideologie angehen.

    Währenddessen ziehen verschiedenste Akteur*innen in dieser Stadt wirklich jeden Schluss aus diesem Mordversuch, nur nicht den Richtigen. Wenn Karina Hermann von der Göttinger CDU halluziniert, dass das „falls sich ein politisches Motiv bestätigt“ ein Angriff auf „uns“ und „unsere Gesellschaft“ wär, ist das falsch. Wenn das alle anderen bürgerlichen Parteien sagen, ist das falsch. Es war kein Angriff auf die CDU, SPD oder wie die ganzen Elendsverwalter heißen. Es war ein Angriff auf Linke. Es war ein Angriff auf alle, die „Nie wieder“ ernst meinen, die nicht nur „Nie wieder“ sagen und dann im nächsten Augenblick die protofaschistische AfD stoppen wollen, indem sie ihre Politik umsetzen. Rechte greifen Linke und Queers an, weil diese ausscheren wollen aus der Zwangsgemeinschaft Nation. Die Nation ist ganzer Stolz von Rechten und Copium, um mit der eigenen Knechtschaft zu dealen. Linke wollen sie für etwas Sinnvolleres aufheben und durch etwas Schöneres ersetzen. Die Nation wird verteidigt vor tatsächlicher oder imaginierter Gefahr. Das passiert immer gewaltvoll: Sei es in Schmähkampagnen im Netz von räudigen Hetz-Outlets, durch Abschiebungen, durch Gewalt im Alltag und in der Familie, Angriffe auf das als jüdisch Imaginierte, das Beschuldigen und Ausschließen von Sinti*zze und Rom*nja, oder eben durch konkrete Gewalt wie in den frühesten Stunden des 21. Juni. Ohne diese Arten der Gewalt gleichsetzen zu wollen, noch ihre Gewalttätigkeit auf eine Stufe zu heben: Die sogenannte Mitte kultiviert den Nationalismus, der Staat setzt ihn gewaltvoll in legaler Manier durch und die radikale Rechte übt ihn in seiner verohtesten Form aus.

    Die faschistische Gewalt wird von den Fans der bürgerlichen Gesellschaft entkontextualisiert. Onyeka Oshionwu, die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, schreibt in ihrem Statement gleich ganz allgemein und abstrakt von “politischer Gewalt”, die zu verurteilen sei. Die Gewalt des Staates ist damit natürlich nie gemeint, dafür wird hier direkt die extremismustheoretische Gleichsetzung von rechts und links vorbereitet. Übersehen wird dabei, dass es erst ein militanter Antifaschismus war, der in den 90er Jahren dafür gesorgt hat, dass wir uns über mehrere Jahre in Göttingen relativ sicher fühlen konnten. Auch wenn klar ist, dass in diesem Fall vom Angegriffenen keine Gewalt ausging, so sollte uns das nicht davon abhalten, antifaschistische Militanz als ein Mittel in einer breiten Diversität von Taktiken zu betrachten und zu unterstützen – auch wenn wir als Gruppe andere Mittel wählen.Besonders zum Kotzen ist diese Entkontextualisierung der Bürgerlichen, da sie sich zudem bereits in das Wahlkampfspektakel zur Kommunalwahl einreiht. Der Angriff auf einen Antifaschisten wird so genutzt, um möglichst toll klingende Worte über Demokratie oder ähnliche Scheiße in die Kameras, die Mikrofone und die Social-Media-Kanäle rein zu trällern und sich so jeweils als bestmöglicher Repräsentant bzw. Repräsentantin dieser Drecksgesellschaft auf kommunaler Ebene zu präsentieren.

    Auf all diese Opportunistenschweine, die den Mordversuch verfremden und in einen Angriff auf bürgerliche Steigbügelhalter ummünzen, sind wir wütend, aber nicht enttäuscht. Sie waren und sind politische Opportunisten, damit war zu rechnen.

    Enttäuscht sind wir hingegen von der Schamlosigkeit, mit welcher kleine, aber laute, Teile der Göttinger Linken den Angriff instrumentalisieren. 

    So zu sehen am vergangenen Montag – bei einer Demo, bei der die erste Reihe aus einem SDAJ-Transpi und SDAJ-Flaggen bestand.Es erscheint uns unbegreiflich, wie es in Anbetracht der gesamten Situation logisch erscheinen mag, die Wut und die Trauer über den Angriff zu verwenden, um einmal mehr mit den eigenen Fahnen durch die Innenstadt zu paradieren. Für wen seid ihr da? Wen wollt ihr erreichen? Was soll das aussagen? Warum ist eure Solidarität verbunden mit Selbstdarstellung? Damit seid ihr in diesem Fall auf dem selben Niveau wie die oben schon kritisierten bürgerlichen Opportunist*innen. Passend also, dass auch der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Florian Dingsbus auf euerer Demo in seiner Rede über Bildung und Diversität im Endeffekt Wahlkampf für sich selbst macht.Die Romantisierung nationaler Befreiungsbewegungen musste an diesem Abend natürlich auch von einigen Teilen der Göttinger Linken vor sich hergetragen werden. Wir können gern an allen anderen Tagen gemeinsam über die Sinnhaftigkeit von Nationalflaggen streiten, zumindest zu diesem Anlass hättet ihr diese Fahnen einfach zuhause lassen können, um gemeinsam Solidarität mit dem verletzten Genossen zu zeigen und die Demo nicht für euch zu vereinnahmen. Ihr habt die Versuche mit euch darüber zu reden nicht nur nicht angenommen, sondern habt am Ende der Demo das Mikro ergriffen. Das macht ihr nicht zum ersten Mal hier. Wir dachten aber, ihr habt diesmal den Schuss gehört und den Anstand mal weiter zu denken, als bis zum eigenen Frontlappen. Ihr habt am Tag nach dem lebensgefährlichen Angriff das Mikro ergriffen, die Bitte eure Fahnen für heute ruhen zu lassen als “antideutschen und zionistischen Angriff” geframed und euch zu den eigentlich Betroffenen gemacht. Ihr könnt es nicht aushalten, wenn es einmal nicht um euch geht. Alle zusammen habt ihr es erfolgreich geschafft, dass Menschen aus dem Umfeld des Betroffenen noch vor dem Loslaufen der Demo den Platz wieder verlassen haben, weil sie eure selbstdarstellerische Parade mit Wahlkampfslot nicht ertragen haben. Ihr habt ihnen diesen Moment der Solidarität verwehrt. 

    Ob bei der bürgerlichen oder der links-autoritären Instrumentalisierung des lebensbedrohlichen Angriffs: Bei beiden wird der Kern faschistischer Gewalt nicht angeschaut, sondern sie wird instrumentalisiert für eigene Anliegen. In der einen Spielart für die bürgerliche Gesellschaft, in der anderen für einen verkürzten Antikapitalismus, der den Faschismus in seiner ML-Doktrin primär als Instrument der Herrschenden betrachtet und damit übersieht, wie sich faschistische Ideologie und Gewalt in allen Schichten dieser Gesellschaft auf Grundlage der bürgerlichen Verhältnisse herausbildet. Und in allen Spielarten immer wieder für die Nation. Dabei müsste gerade die Nation im Zentrum der Kritik stehen, ist sie doch diejenige Zwangsgemeinschaft, die die Faschist*innen retten zu müssen meinen und wegen derer sie mörderische Gewalt anwenden gegen alle, die dem vermeintlich im Wege stehen.

    Und während so die rechte Gewalt unterschiedlich vereinnahmt wird, pushen Staatsanwaltschaft, Cops, Presse und Faschos schon gemeinsam ein Narrativ der Täter-Opfer-Umkehr. Ein Freund des Täters erzählt gut gelaunt der Presse, dass er ja gar kein Nazi sein könne, weil er auch Migranten im Freundeskreis hat. Und der Täter ist wieder frei, da er vielleicht aus Notwehr gehandelt habe. Welche Notwehr soll das sein, mit einem Messer auf einen Unbewaffneten einzustechen?Der rechten Gewalt und ihrer Relativierung sollten wir alle als Antifaschist*innen gemeinsam entgegenstehen. Über unsere Analysen über die Grundlagen faschistischer Gewalt können wir sicher streiten, lasst uns das kontrovers und solidarisch tun. Aber hört verdammt nochmal auf, die Tat für euren Organisationsegoismus oder für Anliegen zu instrumentalisieren, die nichts damit zu tun haben.

    Am Ende dieser Entrüstung wollen wir betonen, wie schön es ist, wie sonst alle Antifaschist*innen trotz sonstiger Differenzen zusammenrücken und sich gegenseitig supporten. Danke an alle, die Demos und Kundgebungen organisieren und tatsächlich ihr Entsetzen, ihre Trauer und Wut auf die Straßen tragen – ohne diese nur als Vorwand für Selbstdarstellung zu instrumentalisieren. Wir sind dankbar für alle Rettungs- und Pflegekräfte, die den Angegriffenen versorgen. Wir sind dankbar für alle, die die richtigen Schlüsse ziehen und nicht einfach ihre verwirrten Skripts abspulen. Lasst uns verstehen, wie die falsch eingerichtete Welt rechte Ideologie und Gewalt hervorbringt. Die konkreten Akteure benennen und bekämpfen. Solidarische Beziehungen aufbauen und den antifaschistischen Selbstschutz organisieren. Lasst uns etwas schöneres anbieten als Staat, Nation, Kapital und Patriarchat. Kämpfen wir für ein Ende der Gewalt.

    Last but not least und in jeder Sekunde: Liebe und Kraft an den verletzten Antifaschisten.

    Gefunden unter https://de.indymedia.org/node/748413

  • Soli-Grüße von der Budapest-Soligruppe Düsseldorf-NRW

    Die Budapest-Soligruppe Düsseldorf-NRW sendet solidarische Grüße nach Göttingen. Die Kriminalisierung von Antifaschismus führt zu absurden §129 Verfahren mit Vorwürfen gegen Antifaschist*innen bishin zu versuchtem Mord, sie würden sogar den Tod von Nazis billigend in Kauf nehmen. Antifas wird in Hochsicherheitsbunkern von Dresden und Düsseldorf der Prozess gemacht, sie sind teilweise seit über einem Jahr auf diverse Knäste verteilt, wegen angeblicher Fluchtgefahr, obwohl sie sich vorher selbst gestellt hatten.

    Und während dessen verletzen und töten Faschos Menschen. Und aus Göttingen hören wir, sehen Ermittlungsbehörden wie so oft kein politisches Motiv und ziehen Notwehr als Grund für einen lebengefährlichen Angriff in Erwägung. Bei einem offensichtlich stadtbekannten Jungfascho. Ernsthaft?

    Wir möchten mit den Worten einiger der in Düsseldorf angeklagten Antifas schließen: “Wenn der Faschismus erst einmal an der Macht ist, dann wird er sich nicht durch Diskussionen wieder davon abbringen lassen”.

    Free all Antifas! Solidarische Grüße nach Göttingen! Fight Fascism!