{"id":127,"date":"2026-06-26T17:52:36","date_gmt":"2026-06-26T15:52:36","guid":{"rendered":"https:\/\/niemalsallein.noblogs.org\/?p=127"},"modified":"2026-06-26T17:52:36","modified_gmt":"2026-06-26T15:52:36","slug":"versuchen-zu-verstehen-was-geschah-und-geschieht-moerderische-ideologie-ernst-nehmen-verstehen-und-bekaempfen-alle-ebenen-alle-mittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/2026\/06\/26\/versuchen-zu-verstehen-was-geschah-und-geschieht-moerderische-ideologie-ernst-nehmen-verstehen-und-bekaempfen-alle-ebenen-alle-mittel\/","title":{"rendered":"Versuchen zu verstehen was geschah und geschieht: M\u00f6rderische Ideologie ernst nehmen, verstehen und bek\u00e4mpfen. Alle Ebenen, alle Mittel."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Redical [M]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind immer noch schockiert \u00fcber den Mordversuch an einem Antifaschisten am vergangenen Wochenende. Noch immer bangen wir um seinen Gesundheitszustand. Und wir fragen uns, was diese neue Eskalationin G\u00f6ttingen f\u00fcr uns bedeutet. Fest steht: Wir m\u00fcssen extrem rechte Gewalt, die Ideologie und die m\u00f6rderische Absicht dahinter ernst nehmen und daf\u00fcr sorgen, dass sie nicht wieder geschieht. Antifaschismus muss auf allen Ebenen praktisch und offensiv werden. Und er muss die gesellschaftlichen Grundlagen faschistischer Ideologie angehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrenddessen ziehen verschiedenste Akteur*innen in dieser Stadt&nbsp;wirklich jeden&nbsp;Schluss aus diesem Mordversuch, nur nicht den Richtigen. Wenn Karina Hermann von der G\u00f6ttinger CDU halluziniert, dass das \u201efalls sich ein politisches Motiv best\u00e4tigt\u201c ein Angriff auf \u201euns\u201c und \u201eunsere Gesellschaft\u201c w\u00e4r, ist das falsch. Wenn das alle anderen b\u00fcrgerlichen Parteien sagen,&nbsp;ist das falsch. Es war kein Angriff auf die&nbsp;CDU,&nbsp;SPD oder&nbsp;wie die ganzen Elendsverwalter hei\u00dfen. Es war ein Angriff auf Linke. Es war ein Angriff auf alle, die \u201eNie wieder\u201c ernst meinen, die nicht nur \u201eNie wieder\u201c sagen und dann im n\u00e4chsten Augenblick die protofaschistische AfD stoppen wollen, indem sie ihre Politik umsetzen. Rechte greifen Linke und Queers an, weil diese ausscheren wollen aus der Zwangsgemeinschaft Nation. Die Nation ist ganzer Stolz von Rechten und Copium, um mit der eigenen Knechtschaft zu dealen. Linke wollen sie f\u00fcr etwas Sinnvolleres aufheben und durch etwas Sch\u00f6neres ersetzen. Die Nation wird verteidigt vor tats\u00e4chlicher oder imaginierter Gefahr. Das passiert immer gewaltvoll: Sei es in Schm\u00e4hkampagnen im Netz von r\u00e4udigen Hetz-Outlets, durch Abschiebungen, durch Gewalt im Alltag und in der Familie, Angriffe auf das als j\u00fcdisch Imaginierte, das Beschuldigen und Ausschlie\u00dfen von Sinti*zze und Rom*nja, oder eben durch konkrete Gewalt wie in den fr\u00fchesten Stunden des 21. Juni. Ohne diese Arten der Gewalt gleichsetzen zu wollen, noch ihre Gewaltt\u00e4tigkeit auf eine Stufe zu heben: Die sogenannte Mitte kultiviert den Nationalismus, der Staat setzt&nbsp;ihn gewaltvoll in legaler Manier&nbsp;durch und die radikale Rechte \u00fcbt ihn in seiner verohtesten Form aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die faschistische Gewalt wird von den Fans der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft entkontextualisiert. Onyeka Oshionwu, die Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin der Gr\u00fcnen, schreibt in ihrem Statement gleich ganz allgemein und abstrakt von &#8220;politischer Gewalt&#8221;, die zu verurteilen sei. Die Gewalt des Staates ist damit nat\u00fcrlich nie gemeint, daf\u00fcr wird hier direkt die extremismustheoretische Gleichsetzung von rechts und links vorbereitet. \u00dcbersehen wird dabei, dass es erst ein militanter Antifaschismus war, der in den 90er Jahren daf\u00fcr gesorgt hat, dass wir uns \u00fcber mehrere Jahre in G\u00f6ttingen relativ sicher f\u00fchlen konnten. Auch wenn klar ist, dass in diesem Fall vom Angegriffenen keine Gewalt ausging, so sollte uns das nicht davon abhalten, antifaschistische Militanz als ein Mittel in einer breiten Diversit\u00e4t von Taktiken zu betrachten und zu unterst\u00fctzen &#8211; auch wenn wir als Gruppe andere Mittel w\u00e4hlen.Besonders zum Kotzen ist diese Entkontextualisierung der B\u00fcrgerlichen, da sie sich zudem bereits in das Wahlkampfspektakel zur Kommunalwahl einreiht. Der Angriff auf einen Antifaschisten wird so genutzt, um m\u00f6glichst toll klingende Worte \u00fcber Demokratie oder \u00e4hnliche Schei\u00dfe in die Kameras, die Mikrofone und die Social-Media-Kan\u00e4le rein zu tr\u00e4llern und sich so jeweils als bestm\u00f6glicher Repr\u00e4sentant bzw. Repr\u00e4sentantin dieser Drecksgesellschaft auf kommunaler Ebene zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf&nbsp;all diese&nbsp;Opportunistenschweine, die den Mordversuch&nbsp;verfremden und in einen Angriff auf b\u00fcrgerliche Steigb\u00fcgelhalter umm\u00fcnzen, sind wir w\u00fctend,&nbsp;aber&nbsp;nicht&nbsp;entt\u00e4uscht.&nbsp;Sie&nbsp;waren&nbsp;und&nbsp;sind&nbsp;politische Opportunisten,&nbsp;damit war zu rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entt\u00e4uscht sind wir hingegen&nbsp;von der Schamlosigkeit, mit welcher kleine, aber laute, Teile der G\u00f6ttinger Linken den Angriff instrumentalisieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So zu sehen am vergangenen Montag &#8211; bei einer Demo, bei der die erste Reihe aus einem SDAJ-Transpi und SDAJ-Flaggen bestand.Es erscheint&nbsp;uns unbegreiflich, wie es in Anbetracht der gesamten Situation logisch erscheinen mag, die Wut&nbsp;und die Trauer \u00fcber den Angriff zu verwenden, um einmal mehr mit den eigenen Fahnen durch die Innenstadt zu paradieren. F\u00fcr wen seid ihr da? Wen wollt ihr erreichen? Was soll das aussagen? Warum ist eure Solidarit\u00e4t verbunden mit Selbstdarstellung? Damit seid ihr in diesem Fall auf dem selben Niveau wie die&nbsp;oben&nbsp;schon&nbsp;kritisierten&nbsp;b\u00fcrgerlichen&nbsp;Opportunist*innen.&nbsp;Passend&nbsp;also,&nbsp;dass&nbsp;auch&nbsp;der SPD-Oberb\u00fcrgermeisterkandidat Florian Dingsbus&nbsp;auf&nbsp;euerer&nbsp;Demo in seiner Rede \u00fcber Bildung und Diversit\u00e4t im Endeffekt Wahlkampf f\u00fcr sich selbst macht.Die&nbsp;Romantisierung&nbsp;nationaler&nbsp;Befreiungsbewegungen&nbsp;musste&nbsp;an&nbsp;diesem&nbsp;Abend&nbsp;nat\u00fcrlich&nbsp;auch&nbsp;von&nbsp;einigen&nbsp;Teilen&nbsp;der&nbsp;G\u00f6ttinger&nbsp;Linken&nbsp;vor&nbsp;sich&nbsp;hergetragen&nbsp;werden.&nbsp;Wir k\u00f6nnen gern an allen anderen Tagen gemeinsam \u00fcber die Sinnhaftigkeit von Nationalflaggen streiten, zumindest zu diesem Anlass h\u00e4ttet ihr diese Fahnen einfach zuhause lassen k\u00f6nnen, um gemeinsam Solidarit\u00e4t mit dem verletzten Genossen zu zeigen und die Demo nicht f\u00fcr euch zu vereinnahmen.&nbsp;Ihr habt die Versuche mit euch dar\u00fcber zu reden nicht nur nicht angenommen, sondern habt am Ende der Demo das Mikro ergriffen. Das macht ihr nicht zum ersten Mal hier. Wir dachten aber, ihr habt diesmal den Schuss geh\u00f6rt und den Anstand mal weiter zu denken, als bis zum eigenen Frontlappen. Ihr habt am Tag nach dem lebensgef\u00e4hrlichen Angriff das Mikro ergriffen, die Bitte eure Fahnen f\u00fcr heute ruhen zu lassen als &#8220;antideutschen und zionistischen Angriff&#8221; geframed und euch zu den eigentlich Betroffenen gemacht.&nbsp;Ihr k\u00f6nnt es nicht aushalten, wenn es einmal nicht um euch geht.&nbsp;Alle&nbsp;zusammen habt&nbsp;ihr es erfolgreich geschafft, dass Menschen aus dem Umfeld des Betroffenen noch vor dem Loslaufen der Demo den Platz wieder verlassen haben, weil sie eure selbstdarstellerische Parade mit Wahlkampfslot nicht ertragen haben. Ihr habt ihnen diesen Moment der Solidarit\u00e4t verwehrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob bei der b\u00fcrgerlichen oder der links-autorit\u00e4ren Instrumentalisierung des lebensbedrohlichen Angriffs: Bei beiden wird der Kern faschistischer Gewalt nicht angeschaut, sondern sie wird instrumentalisiert f\u00fcr eigene Anliegen. In der einen Spielart f\u00fcr die b\u00fcrgerliche Gesellschaft, in der anderen f\u00fcr einen verk\u00fcrzten Antikapitalismus, der den Faschismus in seiner ML-Doktrin prim\u00e4r als Instrument der Herrschenden betrachtet und damit \u00fcbersieht, wie sich faschistische Ideologie und Gewalt in allen Schichten dieser Gesellschaft auf Grundlage der b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnisse herausbildet. Und in allen Spielarten immer wieder f\u00fcr die Nation. Dabei m\u00fcsste gerade die Nation im Zentrum der Kritik stehen, ist sie doch diejenige Zwangsgemeinschaft, die die Faschist*innen retten zu m\u00fcssen meinen und wegen derer sie m\u00f6rderische Gewalt anwenden gegen alle, die dem vermeintlich im Wege stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und w\u00e4hrend so die rechte Gewalt unterschiedlich vereinnahmt wird, pushen Staatsanwaltschaft, Cops, Presse und Faschos schon gemeinsam ein Narrativ der T\u00e4ter-Opfer-Umkehr. Ein Freund des T\u00e4ters erz\u00e4hlt gut gelaunt der Presse, dass er ja gar kein Nazi sein k\u00f6nne, weil er auch Migranten im Freundeskreis hat. Und der T\u00e4ter ist wieder frei, da er vielleicht aus Notwehr gehandelt habe. Welche Notwehr soll das sein, mit einem Messer auf einen Unbewaffneten einzustechen?Der rechten Gewalt und ihrer Relativierung sollten wir alle als Antifaschist*innen gemeinsam entgegenstehen. \u00dcber unsere Analysen \u00fcber die Grundlagen faschistischer Gewalt k\u00f6nnen wir sicher streiten, lasst uns das kontrovers und solidarisch tun. Aber h\u00f6rt verdammt nochmal auf, die Tat f\u00fcr euren Organisationsegoismus oder f\u00fcr Anliegen zu instrumentalisieren, die nichts damit zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende dieser Entr\u00fcstung wollen wir betonen, wie sch\u00f6n es ist, wie sonst alle Antifaschist*innen trotz sonstiger Differenzen zusammenr\u00fccken und sich gegenseitig supporten. Danke an alle, die Demos und Kundgebungen organisieren und tats\u00e4chlich ihr Entsetzen, ihre&nbsp;Trauer&nbsp;und&nbsp;Wut auf die Stra\u00dfen tragen &#8211; ohne diese nur als Vorwand f\u00fcr Selbstdarstellung&nbsp;zu instrumentalisieren. Wir sind dankbar f\u00fcr alle Rettungs- und Pflegekr\u00e4fte, die den Angegriffenen versorgen. Wir sind dankbar f\u00fcr alle, die die richtigen Schl\u00fcsse ziehen und nicht einfach ihre verwirrten Skripts abspulen. Lasst uns verstehen, wie die falsch eingerichtete Welt rechte Ideologie und Gewalt hervorbringt. Die konkreten Akteure benennen und bek\u00e4mpfen. Solidarische Beziehungen aufbauen und den antifaschistischen Selbstschutz organisieren. Lasst uns etwas sch\u00f6neres anbieten als Staat, Nation, Kapital und Patriarchat. K\u00e4mpfen wir f\u00fcr ein Ende der Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Last but not least und in jeder Sekunde: Liebe und Kraft an den verletzten Antifaschisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gefunden unter <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/748413\">https:\/\/de.indymedia.org\/node\/748413<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Redical [M] Wir sind immer noch schockiert \u00fcber den Mordversuch an einem Antifaschisten am vergangenen Wochenende. Noch immer bangen wir um seinen Gesundheitszustand. Und wir fragen uns, was diese neue Eskalationin G\u00f6ttingen f\u00fcr uns bedeutet. Fest steht: Wir m\u00fcssen extrem rechte Gewalt, die Ideologie und die m\u00f6rderische Absicht dahinter ernst nehmen und daf\u00fcr sorgen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-127","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soli-gruesse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=127"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/127\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/noablog1.uber.space\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}